Hast Du denn überhaupt Lust?

… fragte grad meine große Frau aus dem Norden.

Sie wolle spontan vorbei kommen, zu einem Weiberabend. Ich habe sie seit gefühlten Jahren – oder waren es tatsächlich Jahre? – nicht mehr allein hier gehabt, sie hat 2 wundertolle kleine Nordjungs bei sich.

Hab geschrieben: Ne. Finde Dich eher doof.

Und bin dabei vor Lachen fast vom Stuhl gekippt.

Sowas. Guter Morgen. Und bei Euch so?

Bewerbung

Sehr geehrte Damen und Herren, 

mein Name ist Fräulein Moorks.
Hiermit möchte ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Arbeitsstelle bewerben.

Ich bin gut in dem, was ich mache. Ich mag Menschen, so manchmal. Aber ich bin meist nett, auch wenn ich sie blöd finde. Ich weiss, was ich kann und vermute von (wahrscheinlich zu) viel, dass ich es nicht so gut kann.
Ich habe ein eher mangelhaftes Selbstbewusstsein, aber ich arbeite daran.
Ich bin nicht oft krank und wenn doch, dann ist es ganz gut, wenn man mich auch ohne Druck krank sein lässt. Dafür gebe ich viel in die Arbeit. Ich bin eine sehr treue Mitarbeiterin.
Ich mache Fehler, wie jeder andere auch, bin aber gern bereit, das einzusehen und auszubügeln, solange man es mir halbwegs nett mitteilt. Je netter, desto mehr freue ich mich, es auszubügeln, eigentlich.
Ich habe viele bunte Ideen und arbeite gern im Team. Ich übernehme auch gern die Führung, aber habe keine Lust auf Bürokratiekrams.
Ich kann mein Temperament gut unter Kontrolle halten und bei schwierigen Elterngesprächen verständnisvoll lächeln.

Ich neige zu bunten Haaren, ohne diese vorher anzukündigen und trage schwarz, Schlurfhosen und alles, was mir gefällt. Für besondere Anlässe bin ich gern bereit, mir was braveres anzuziehen, um nicht alle sofort zu verschrecken.

Ich mag Kinder, alte Menschen, Tiere und Pflanzen. Alles dazwischen nur, wenn sie nett sind. Wenn ich mir Mühe gebe, merken sie es aber nicht, wenn ich sie blöd finde.

Ich bin verantwortungsbewusst und gut im ernst sein. Noch besser allerdings im nicht ernst sein.

Ich habe ein Problem mit Autoritäten, deren Befähigung ich nicht verstehe, aber ich verspreche, dass ich bei sowas die Klappe halten kann und nur innerlich loslache.

***

Hach, warum kann man Bewerbungen nur nicht einfach aus dem Bauch schreiben?

Das Fräulein Moorks, sich nun wieder an bravspiessige Sätze setzend

Mein jetziges Dasein

Vor vielen Jahren hat ein guter Freund plötzlich mit dem Rauchen aufgehört. 

Als ich ihn fragte, ob es ihm schwer gefallen sei, antwortete er, es sei ganz leicht gewesen. Er habe sich die Quanten zum Vorbild genommen. Diese kleinsten Einheiten unserer Wirklichkeit seien in der Lage, sich durch das einfache Aufnehmen oder Abgeben von Energie vollständig zu verwandeln.
Von einem Augenblick zum nächsten könnten sie alle ihre bisherigen Eigenschaften abwerfen und neue Eigenschaften annehmen. Es gäbe dann nichts mehr, was sie mit ihrem vorherigen Dasein verbindet. 

Genauso habe er es gemacht. Er habe auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, Energie aufgenommen und sich verwandelt. 
Auf die Frage, ob er nicht doch wenigstens in manchen Situationen noch Lust habe, eine Zigarette zu rauchen, antwortete er, nein, in seinem jetzigen Dasein sei er ja niemals Raucher gewesen.
(Aus: „Der Quantensprung des Denkens“, S. 29f)

Sicherlich können wir nicht einfach unser Leben von heute auf morgen ändern, um dann niemals dort gewesen zu sein, wo wir waren. Und sicherlich ist es auch gut, zu wissen, dass man dort war. Aber die Idee finde ich trotzdem… sie berührt mich. Und sie hat schöne Ansätze.

Allein schon der Gedanke, dass es hilft, wirklich auf den richtigen Moment zu warten, um dann Energie aufzunehmen oder abzugeben, um sich zu verwandeln…

Ich muss mal darüber nachdenken.

Haltestelle

Es stinkt nach Ekel und Bier an dieser Haltestelle.
Ich möchte Dich fragen, ob Du frierst.
Das lächerliche Bild in das wir hier mit grobem Pinsel gemalt wurden zieht seinen Schein aus dem Wartehäuschen.
Ich wirke übermüdet und viel zu grob.

Das Licht scheint gelb, grün. Grau?

Du stehst vor mir mit blauen Lippen, dein Haar glänzt orange und Deine Augen sind fort.
Grüne glänzende Seen zeigen mir, was in Deinem Kopf vorgeht.

Gib acht, ich werde die Gedanken wiedererkennen, wenn Du sie sprichst.