Glücklich im Glashaus…

image

Hier bei uns gibt es normale Stubenfliegen und Stechfliegen. Letztere sehen genau wie Stubenfliegen aus, haben aber statt des Rüssels einen kleinen Stachel. Man kann sie nur durch genaues Schauen auseinander halten. Fliegen werden bei uns mit dem Glas gefangen. Geht fast schneller als mit der Klatsche, macht keine Flecken an der Wand und – das Wichtigste Kriterium für mich: Das Tier ist danach noch ziemlich lebendig. Dieses Exemplar (Gattung nur nervig, nicht stechend) hat jedoch gerade unter dem Glas ein Paradies mit Krümeln und ich gebe ihr noch 2 Minuten Völlerei bevor ich sie raus bringe. So ein süßer Staubsauger da vorne dran!

Hinterrücks angeschlichen…

…hat es sich. Das Gefühl von steigender Sinnlosigkeit, vermischt mit Angst.

Ha! Glaubt diese kleine fiese schwarze Tante ehrlich,  dass ich mich so schnell einwickeln lasse? Bin ich etwa ein Reh dass in ihrer strahlenden schwarzen Kälte gebannt stehen bleibt, auf dass sie mich überrollen kann?
Da setzt Du auf die Falsche,  du hinterlistiges Spinnentier! Ich bin hier, ich bin noch lange nicht am Ende meiner Ideen und werde mir gleich morgen einen Plan machen!

Ein Arsch im Bett

Bin gestern bis zwei Uhr nicht eingeschlafen. Hab gelesen. Der Enar auch, auf seinem Computerdingsda. Ich mit Licht. Und Seiten aus Papier.

Um zwei hat er dann beschlossen, dass er nun mal Licht ausmacht.
Warum wir beide noch nicht müde sind, frage ich ihn.
Das weiß er auch nicht, sagt er und klingt doch etwas müde.

Mein Mann wird zickig, wenn er müde wird. Oder Hunger hat. Oder beides.

Es könnte ja daran liegen, dass ich so lange das Licht angehabt habe, meint er und dreht sich zu mir um. Sieht meinen Gesichtsausdruck (Wer von uns zweien hat sonst nachts immer lange noch sein Computerdingsdalicht an?!), erkennt seinen Fehler und will schnell thematisch umschwenken. Ich muss grinsen.
Warum ich mit so einem unglaublich selbstgerechten Arsch verheiratet bin, frage ich ihn daraufhin interessiert, aber nicht sonderlich ernst gemeint.

Weil er ja nicht immer ein Arsch sei, sagt er und kuschelt sich zufrieden ins Bett.

Stimmt.
Außerdem riecht sein Schlafanzug wirklich richtig gut.

Forever 18

Ich habe Bilder von Dir im Internet gefunden. Dein Haaransatz ist nach oben gerutscht, um einige Zentimeter. Um einige viele. Ich habe mich gefreut, weil es Dir nicht steht. Du trägst noch immer schwarz und das wiederum steht Dir, natürlich.
Dein Gesicht hat diesen Charme verloren, den Du damals hattest. Den Ausdruck von kesser Gewissheit, dass Du mit deinen Gaunereien durchkommst.

Ich suche in den Fotos nach den Spuren von damals. Danach, was diese vielen Jahre mit Dir gemacht haben, mit uns gemacht haben.
Ich versuche Kleinigkeiten auszumachen. Der hochgezogene Mundwinkel im Bild unten rechts? Die gehobene Augenbraue? War es so? Sahst Du so aus?

Du stehst dort so erwachsen.

Als ich in der Reha war, gab es einen Gedanken, der mir geholfen hat, weiter zu machen, auch wenn alles blöd war. Es gab so einige Situationen, in denen ich nicht mehr mitmachen wollte. Weil es mir zu kindisch war. Weil ich nicht sinnlos im Kreis gehen und die Beine heben wollte, nur weil das dort als Sport gilt.
Weil ich kein Typ für Kneipengänge bin, keinen Alkohol trinke und die meisten coolen Dinge einfach verdammt dämlich finde.
Aber der Gedanke war:

Wenn Du etwas willst, was Du noch nie gehabt hast,

musst Du etwas tun, was Du noch nie getan hast.

 

Keine Ahnung, von wem er stammt, aber der kluge Kopf hatte Recht. Und das gilt nicht nur für große Aktionen, große Schritte. Auch im kleinen. Etwas mitmachen, was man für sinnlos hält, weil es einen vielleicht doch weiter bringt. Eine neue Verhaltensweise ausprobieren, auch wenn sie sich blöd anfühlt, weil die alte ja bisher auch nicht so sonderlich erfolgreich war.
Etwas anders tun. Oder etwas sein lassen.

… Peter.

Immer wieder fährt der Kerl im zweiten Gang an, nein dies ist kein LKW!
Dies hier ist mein „heilix Blechle“, das ist Absicht, weil er weiß, das tut mir weh
Und dann diese fiese Eigenschaft, den Tank bis auf den Boden leerzufahr’n!
Und das geht nicht erst seit gestern, nein, so quält er mich seit über zwanzig Jahr’n!
Und aus einem Füllhorn von Unarten denkt er täglich neue für mich aus
Aber dann wenn ich ihn wirklich brauche, na?! – Dann wächst er über sich hinaus
(…)
Er zerfleddert dir die Zeitung, und beim Essen nimmt er stets das größte Stück
Und was immer du ihm borgst, schenk‘ es ihm gleich, du kriegst es eh‘ nicht mehr zurück
Doch wenn ich heut‘ frag‘: „Holst du mich morgen am Ende der Welt ab?“, sagt er „Ja“
Keine Fragen, keine langen Reden und kein Zweifel, er ist einfach da.
(…)
Und er kleckert und er krümelt, eine Nahrungsmittelspur säumt seinen Weg
Und Tabletten und Disketten, auch schon mal ein Geldschein oder ein Beleg
Kleidungsstücke und Gerödel, vieles schon nicht mehr identifizierbar
Ja da Sprichwort sagt zu Recht: „Mein Gott, das sieht ja aus als ob Peter hier war!“
Und wer lässt den alten Kaffeefilter immer drin und die Milchflasche auf?
Und die Tassen im Waschbecken, und ein Teebeutel verstopft den Überlauf!
Und es tröpfelt in meinem
Schuh, da gibt’s nur einen
Täter

Peter
Eine Art Obelix
Dir kann eigentlich nix
Mehr passier’n – oder fast
Wenn du so ’nen Freund hast!
(R.Mey – Peter)

Ich habe regelmäßig einen Ohrwurm von diesem feinen Stück Musik. Nicht nur wegen der bestechenden Melodie, sondern auch wegen der Emotionsmischung:
Ein Schweinehund, wie er im Buche steht, dieser gute Freund.
Und wahrscheinlich ist es so, dass Menschen einfach wahnsinnig unterschiedlich sind. Und wir alle gute und schlechte Eigenschaften haben. Und manchmal sind die nervigen sehr präsent, wie auch der verehrte Blogger im Reblog-Beitrag schon schrieb. Dann sind es Menschen, die wahnsinnig nerven können. Oder gezielt immer wieder sticheln mit ihrem Verhalten.
Aber die Hauptsache ist, dass sie da sind, wenn man sie wirklich braucht. Dann hält man eine Menge vom Rest aus.
Nur: mehr als eine solcher Personen braucht man dann auch nicht im Leben, zum Glück tragen die meisten Menschen ihre Eigenschaften gut gemischt mir sich herum 😉

Der Peter.

Das erinnert mich doch an…

Disputnik

Die Musikkassette war noch an der Macht, man sprach aber immer häufiger von der CD, und einige davon standen auch bereits in den Läden. Wir waren damals Kinder und hatten keine Ahnung von diesen seltsamen Silberscheiben, keiner wusste viel darüber, keiner außer Peter. Der Peter. Die CD, die sei im Innern flüssig, belehrte er uns, und wenn man sie aufrecht hinstelle, würde diese Flüssigkeit nach unten laufen und die CD somit kaputt gehen. Zwar zweifelten wir seine Argumentation an, denn in den Verkaufsregalen stand jede einzelne CD in eben dieser von ihm als verhängnisvoll beschriebenen Stellung, was wenig sinnvoll anmutete. Doch wir wussten es selbst nicht wirklich besser, also widersprachen wir dem Peter nicht.

Der Peter. Seine ganze Familie badete ein Mal pro Woche, jeweils am Samstag, alle im gleichen Wasser, und wenn der Peter als zweitjüngstes Kind in die Wanne stieg, war das Wasser längst kalt. Ihn störe das…

Ursprünglichen Post anzeigen 228 weitere Wörter