Mein und Dein

Heute wurde mir mein Handy geklaut. Ärgerlich genug, natürlich.

Was mich aber grad am meisten irritiert:

Das war MEINS. MEINS und DEINS lernt man schon im Kindergarten auseinander zu halten. Mir ist klar, dass es Menschen gibt, die sich über den Unterschied völlig hinweg setzen. Die das Ding verticken und dafür dann Drogen kaufen. Die es verticken und dann cooler sind. Die es verticken und was-auch-immer-tun.
Und ich bin mir sicher, ihnen allen geht es schlechter als mir. Denn wer so wenig den Unterschied kennt zwischen Dein und Mein – oder ihn nicht achtet, der muss per se ein trauriges Leben haben, egal, für wie cool er sich hält.
Aber auch wenn ich es mir wer-weiss-wie-gut erklären kann, bleibt doch bei mir ein Gefühl von:

Hey! Das war MEINS! 
Sowas.
Nun erst mal sparen.

Heute schon gesessen?

Hier auf dem Land gibt es nur einen Pizzamann, der aus der nächsten Stadt bis zu uns liefert.
Aber: Wunder geschehen! Heute hatte unser Lieblings- (weil einziger)Lieferant zu und ich habe nochmal im Netz nach anderen geguckt. Siehe da, ein neuer Pizzadienst in Stadt-auf-der-anderen-Seite!

Überrascht rufe ich an und frage, ob sie auch zu uns ins Dorf liefern und erfahre:

Ja, wenn Sie nicht im Knast wohnen.

(Weitere Fragen über den Geisteszustand des Anrufers habe ich mir verkniffen. Hauptsache es gibt Pizza.)

Theresa und ich.

„Du erkennst sie, die Leute.“
–  „Wen erkenne ich?““Die Leute. Du siehst es an ihrem Zögern, wenn sie vor Entscheidungen stehen. An diesem Moment des Zögerns, in dem Du Dich fragst, was zum Kuckuck es da zu überlegen gibt. Sie halten Zwiesprache. Sie holen sich eine Erlaubnis von einem Teil in ihnen, der sie mehr bestimmt, als sie glauben.“

Und dann erzählte mir Theresa von den Menschen, mit denen sie arbeitet. Erwachsene, die irgendwann in ihrem Leben einen Teil von sich zurück gelassen haben. Einen 4-jährigen Jungen, weil der Vater nicht aus dem Krieg heimkam. Eine 8-jährige, die plötzlich ihre Mutter versorgen musste. Eine 16-jährige, die in ein schlimmes Zugunglück geriet.
All diese Kinder, sagte sie, stehen noch da. Warten darauf, dass ihre Eltern zurück kommen. Dass der Zug nicht vom Gleis abkommt. Dass niemand sie schlägt, missbraucht, niemand stirbt oder von ihnen geht. Sie bleiben dort stehen und sie rufen immer wieder dieselben Sätze und diese Sätze prägen die erwachsenen Versionen ihrer selbst bis heute.

Darum meinen sie, nicht glücklich sein zu dürfen. Darum haben sie Angst im Dunkeln, oder vor Kontrollverlust. Darum werden sie nie wütend oder verlassen sich nie auf andere. Darum sind sie depressiv oder verletzen sich selbst.

Ich fragte Theresa, was man dagegen machten könnte, wie so jemand denn jemals wieder glücklich werden könnte.
Es brauche Zeit, hat sie mir geantwortet. Zeit und Verständnis für sich selbst. Man muss beginnen, zu begreifen, dass nicht das erwachsene Ich gerade Angst hat, die Kontrolle halten will, oder sich verletzen möchte.
Sondern das Ich, welches noch an der Stelle von damals steht. Und man muss begreifen, dass man nun nicht mehr dieses Kind ist. Dass es ein Teil der Persönlichkeit ist, um den man sich kümmern kann und muss, aber dass dieser nicht mehr das eigene Handeln bestimmen muss.

Ungerechtigkeit und Wut

Kennt ihr das auch, dass ihr völlig gelähmt seid, wenn ihr wütend werdet und keinen Ausweg findet?

Mal gibt es Situationen, wo man mit der entsprechenden Person reden kann, sich aufregen oder beschweren kann. Aber bestimmte Ungerechtigkeiten machen mich unglaublich wütend und dann weiß ich nicht wohin mit den Emotionen…

Sehr unangenehm.

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Weltenrisse

Es gibt Entscheidungen im Leben, die kann man nicht treffen, ohne dabei zu sterben.
Das Leben ist nicht immer schwarz-weiß, es ist sogar in den allermeisten Fällen wahnsinnig bunt und irritierend. Dieses Bunte macht es lebenswert, aber es macht es nicht leichter, die Wege zu finden. Und so stehe ich im Abstand von einigen Jahren immer wieder vor Entscheidungen, die ich nicht treffen kann, ohne dabei zu sterben. Weil keiner der Wege sich gut anfühlt, wenn ich dafür den anderen Weg nicht gehen kann. Weil ich Menschen verletze, egal, was ich tue. Oder weil ich nicht wissen kann, was sich hinter diesen Wegoptionen versteckt und ob ich es nicht bitterlich bereuen werde, diese Strecke gewählt zu haben.

Wenn es sich so schrechlich in mir anfühlt, dass ich weiß, hier gibt es keinen Ausweg, damit es mir schlicht gut geht und alles in Ordnung ist, dann weiß ich, ich muss die alte Fräulein Moorks hinter mir lassen. Ich muss mich für einen Weg entscheiden und habe an dieser Stelle mindestens ein, vielleicht zwei weitere Leben geschaffen.

Als ich damals, zum Ende meiner Jugend, mit dem Narren zusammen war, war das so eine Entscheidung. Ich habe ihn geliebt, leidenschaftlich, brennend, verzehrend. Ich wollte nichts als ihn, ich hätte ihn damals, mit 18, vom Fleck weg geheiratet.
Wir konnten leider nicht zusammen bleiben, so sehr ich ihn geliebt habe – die Gründe spielen jetzt keine Rolle mehr. An dem Tag, an dem ich mich von ihm endgültig trennte, schuf ich die Närrin und das Mädchen, was heute Fräulein Moorks ist.
Die Närrin ließ ich hinter mir. Sie ist weiter mit dem Narren zusammen, ich bin mir sicher, sie sind durchgebrannt und leben heute irgendwo am Meer. Sie sind entweder unglaublich glücklich, mit all der Achterbahnfahrt die so eine intensive Beziehung bedeutet, oder sie haben sich schon längst nach einer langen Zeit von ja-nein-ja-nein getrennt. Sie haben intensiv gelebt, bisher.

Die, die heute Fräulein Moorks ist, ist weitergegangen. Sie hat noch viele andere Variationen erschaffen, Frauen, die heute durch andere Welten gehen und dort neue Variationen von sich erschaffen.

Es gibt Tage, da sind die Wände, welche die Welten trennen, unglaublich dünn, ich meine manchmal sogar Risse in ihnen zu spüren. Dann weiß ich wieder genau, wie sich die Närrin damals fühlte. Dann weiß ich, dass sie immer ein Teil von mir sein wird.

Und wenn ich allein auf meinem Schaukelstuhl sitze, frühmorgens, mit einem Tee in der Hand und hinausschaue in die Wildnis unseres Gartenfeldes, dann schmerzen die Risse manchmal. Einzelne. Manche sehr.
Dann erinnere ich mich daran, dass nichts davon fort ist. Jemand lebt all diese Optionen. Irgendwo, in einer anderen Welt, bin ich die Närrin und all die Frauen, die danach kamen.

Ich bereue nichts.

Ein Traum

Hast Du schon mal etwas gewollt, ohne dass es Sinn ergab? Ohne dass Du es erklären kannst?

Ich habe endlich wieder einen Traum, an den ich glaube. Und ich werde es schaffen. Ich habe Angst. Aber ich werde es schaffen, weil es mein Traum ist.

Die Trägheit der Masse bringt mich um

„Wenn wir bremsen, fliegen mir diese ganzen Teller gegen den Kopf!“ ranze ich Enar an.

– „Ne. Wenn wir bremsen, fliegen die diese Plastikdosen vom Armaturbrett gegen den Kopf, Schatz. Für die Teller müsste ich beschleunigen, dann hauen die Dir gegen den Kopf. Das ist… quasi… Massenträgheit life in action.“

Na da bin ich ja beruhigt.

Nachgedanken zum Post von gestern

Es gibt so viele Dinge zu lernen, so vieles zu verstehen. Und es läuft doch alles auf eines heraus: Sei. Du. Selbst.

Alles andere kommt – von selbst.

Wenn Du erst mal weg kommst von Deinem Anspruch, das jeder Dich bitte mögen soll, wirst Du vielleicht sehen, wie viele Dich nicht nur mögen, sondern lieben. Und dass Du all die enttäuschst, die wirklich *Dich* meinen, wenn sie mit Dir reden, wenn Du nur immer versuchst, perfekt zu sein. Jemand anders zu sein.

Man muss mutig sein, um ein „Selbst“ zu sein.
Aushalten, dass jemand Dich mal falsch versteht. Eine andere Meinung haben, auch wenn es jemanden trifft. Man muss sogar lernen, auszuhalten, die, die man am wenigsten verletzen möchte, zu verletzen, wenn es sein muss.

Sich ständig verbiegen, um Menschen zu schützen, zu schonen, zu unterstützen, verbiegt unsere Rücken. Es bereitet uns auf Dauer Schmerzen, die wir aushalten, weil wir meinen, dass es für ein „höheres“ Gut ist. Weil wir schützen wollen. Weil doch jemand bestimmtes sonst…
Und so kommen wir nie voran. Und auch die, die wir schützen kommen nicht voran. Es mag sogar Menschen geben, die ohne das, was wir tun, fallen.
Aber nur wer fällt, kann lernen, aufzustehen und wieder allein zu stehen.